Rollenspiele
Gewiss - aus dem Alter für Doktorspiele sind wir alle heraus. - Schade eigentlich. Denn wer zu erwachsen wird, verpasst eine Menge Spaß im Leben. Psychologin Verena Lasskovitz zum Beispiel half mit einem "Spieletip" dem Pärchen Christiane und Heiko. Zunächst einmal wandte sich Christiane mit einer e-mail an Verena Lasskovitz ...
Mit Peitsche und Kommandoton spielt sie die Domina. So kommt schnell wieder Leben in den Sex-Alltag ...
Die Geschichte
“Schatz, findest du nicht auch, dass unser Sexleben – wie soll ich es ausdrücken? - im Laufe der Zeit etwas fade geworden ist?” Bäng! Christiane (32) fällt fast das Frühstücksbrötchen aus der Hand. “Wie kommst du denn mit einem Mal darauf, Heiko?”, fragt sie. Obwohl sie weiss, dass es unhöflich ist, mit einer Gegenfrage zu antworten. Christiane tut es auch nur, um Zeit zu gewinnen - Zeit zum Nachdenken.
Sie muss zugeben: Heiko hat das Thema zwar sehr überraschend, doch recht behutsam angesprochen. Ohne Schuldzuweisung. Aber wieso kommt er damit raus? Sind es nicht immer die Frauen, die solche Sachen problematisieren müssen?
Okay. Im Prinzip hat Heiko ja recht. Ihre „wilde Ehe“ ist nach fünf Jahren längst nicht mehr so wild wie der Beginn ihrer Beziehung. Sie kann sich noch gut an freche Fummeleien im Auto erinnern, ihr fröhliches Treiben in der Rhön, als die Ameisen angekrochen kamen, oder an den verstohlenen Quickie im Keller, auf Omas 80. Geburtstag. Ach, war das schön, damals ...
“Was möchtest du denn, Heiko?”, fragt sie. “Dass wir uns, sobald die Kinder im Bett sind, lüstern die Klamotten vom Leib reißen und wie besessen übereinander herfallen?” - “So natürlich nicht”, entgegnet er. “Vielleicht könnten wir unserer Liebe mit kleinen erotischen Rollenspielen neue Impulse geben.”
Christiane muss an “Das Buch der lächerlichen Liebe” von Milan Kundera denken, das sie mal gelesen hat. Darin spielt eine Frau eine Anhalterin. Und ihr Freund nimmt sie mit. Später, im Hotel, gleitet ihnen die Dramaturgie aus den Fingern. Der Schuss geht total nach hinten los. So, bitteschön, nicht!
Christiane sagt: “Falls du davon träumst, dass ich dir als Tänzerin eine heiße Striptease-Show biete, erwarte ich auch eine Gegenleistung. Dass du mir den Callboy machst.” Heiko: “Vielleicht sollten wir etwas harmloser beginnen. Wie wäre es mit ‘Fremde in der Nacht’? Wir begegnen uns scheinbar zufällig in einer Bar ...” - “... und ich nippe stundenlang an meinem Cocktail, warte, dass mein Traumprinz mich endlich anspricht. Danke nein”, lacht Christiane.
Schließlich einigen sich die beiden auf das Rollenspiel “Mein Gott, Herr Pfarrer!” Am selben Abend nimmt Heiko seiner Christiane die Beichte ab. Und erfährt Erstaunliches: ihre unkeuschen Gedanken, ihre intimen Wünsche – Bedürfnisse, auf die er noch in derselben Nacht eingeht.
Die Hilfe von Verena Lasskovitz, Psychologin
"Meine Güte, wann willst du denn endlich mal erwachsen werden?" Vermutlich haben auch Sie diese Frage irgendwann in Ihrem Leben gehört. Vielleicht sogar des öfteren. Von der Mutter, dem Vater, den Großeltern, Freunden – von Menschen, die sich zu Kritik an Ihrem Verhalten oder bestimmten Entscheidungen berufen fühlten. Meist handelte es sich mehr um einen Stoßseufzer als um eine Frage. Begleitet von einem verständnislosen Kopfschütteln. Denn mit dem Begriff "erwachsen" war eigentlich "vernünftig" gemeint: "Wann willst du endlich mal vernünftig werden?"
Unsere Erziehung, die Schule, der berufliche Alltag – all’ das ist darauf ausgerichtet, dass wir uns vernünftig verhalten. Zugegeben: Es macht das Leben einfacher, sicherer. Wir bekommen beispielsweise keinen Ärger mit unserer Bank, weil wir das Konto mal wieder bis zum Anschlag überzogen haben.
Andererseits geht uns durch reines Vernunftdenken auch eine ganze Menge verloren: Kreativität, Lebensfreude und -qualität - alle spielerischen Elemente in uns, die vom Bauch bestimmt werden. Und nicht vom Kopf. Das ist äußerst schade. Besonders im sexuellen Bereich.
Es wäre doch völlig falsch zu glauben, dass Sex eine total bierernste Angelegenheit ist. Wir sollten das Liebesleben viel mehr frei halten von jeglichem Zwang und Leistungsdruck, möglichst unverkrampft an die Sache herangehen. Und eine gute Möglichkeit, diese Lockerheit zu üben, sind erotische Rollenspiele mit dem Partner. Sie können das Zusammenleben beflügeln.
Warum schlüpfen wir nur einmal pro Jahr in fremde Rollen - während des Karnevals? Da sind wir plötzlich der tolle Ritter, Pirat, eine Indianer-Squaw oder Haremsdame. Warum beschränken wir dieses fröhliche Treiben nur auf die so genannte fünfte Jahreszeit?
Mit den Menschen, die wir in unserer Partnerschule betreuen, veranstalten wir regelmäßig ein therapeutisches "Masken-Theater". Und haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Wer mag, nimmt sich eine Maske seiner Wahl und spielt die entsprechende Rolle. So bewegt er sich in einem bestimmten Rahmen, der ihm Sicherheit gibt. Zugleich erweitert sich sein Horizont. Auf spielerische Weise. Er erkennt Potentiale, die in ihm stecken, entdeckt geheime Wünsche und Bedürfnisse. Und das Gute ist: Er kann jederzeit aufhören, die Rolle wieder ablegen. Mein Rat: Schauen Sie sich die Seifenopern nicht nur im Fernsehen an. Spielen Sie sie selbst - live. Es macht Spaß.
Nachspiel
Auch Christiane und Heiko gab das Spiel mit der erotischen Beichte einen echten Kick. Oft rufen sie sich tagsüber an, erzählen einander, was sie im Bett gern erleben würden. Was häufig nahtlos in Telefonsex übergeht. Und demnächst will er ihr sogar den Callboy vorspielen!
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Humor

“Teuflisch heiß auf dieser Seite! Gefällt mir.”


