Sind Männer, die auf Analverkehr stehen, verkappte Schwule?
Birgit (36): Ich war zehn Jahre glücklich verheiratet - dachte ich zumindest: Bis zu dem Moment, als ich entdeckte, dass mein Mann fremdging. Ich stellte ihn zur Rede, er war total zerknirscht. Trotzdem wollte er nicht von dieser Frau lassen ... Kurz: Ich habe auf Scheidung gedrungen. Es war grausam. Für mich, wohl auch für ihn - und vor allem für unseren kleinen Sohn. Dann habe ich ein Jahr lang schon Schweißausbrüche bekommen, wenn ein Mann bloß auf Armlänge an mich ran ist. Bis ich Michael kennen lernte. Er war einfach süß, und mit ihm bin ich schließlich zum ersten Mal nach meiner Scheidung auch ins Bett.
"Schwul" - Karriere eines Wortes
Ursprünglich ein Schimpfwort, erkoren sich Homosexuelle der Schwulenbewegung in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts den Begriff bewusst als Gattungsbezeichnung für ihre Sexualität aus. Innerhalb von 20 Jahren wurde aus dem Schimpfwort eine etablierte Bezeichnung für Sexualität. Neuerdings jedoch wird das Wort in der Jugendsprache auch entsexualisiert benutzt: als Adjektiv für "langweilig" oder "nervig". Zum Beispiel: "Ist das wieder schwul heute."
Es war etwas schwierig, er bekam sein Ding zunächst nicht richtig steif. Beim zweiten Mal meinte er dann, das läge nicht an mir, sein Problem wäre: Er würde eigentlich nur auf Analverkehr stehen. - Als wir es so machten, ist es ihm auch fürchterlich gekommen. Ich dagegen fand es eigentlich eher schmerzhaft als scharf. - Zwei Wochen später gesteht er mir, dass er eigentlich schwul ist und mit mir Schluss machen will. - Das alles ist ein halbes Jahr her. Jetzt habe ich bei der Arbeit Gisbert kennen gelernt. Abends in der Kneipe erzählt er mir, eigentlich stehe er besonders auf Analverkehr. Ich habe ihn gleich gefragt, ob er etwa schwul sei? Das hat er heftig bestritten. Aber was ist, wenn er lügt, wenn ich für ihn eigentlich nur Ersatz für einen Mann bin, den er im Moment nicht bekommen kann? Jedenfalls konnte ich mich bisher nicht entschließen, mit ihm zu schlafen, obwohl ich ihn super sympathisch finde. Was soll ich tun?
Birgit nahm mit Verena Lasskovitz per e-mail Kontakt auf. Für die Veröffentlichung hier wurde ihr Name geändert.
Die Antwort von Verena Lasskovitz
Männer, die auf Analverkehr stehen, müssen nicht schwul sein, klarer Fall. Das Problem bei dir, Birgit, sehe ich ganz woanders. Du hast eine Riesenenttäuschung mit deinem Ehemann durchgemacht und bist nun verunsichert, was neue Beziehungen angeht. Bei deinem ersten Freund nach der Ehe probiertest du Analverkehr aus – unwichtig, ob es mit einem Schwulen war oder nicht. Jedenfalls hast du festgestellt, dass diese Art von Sex dir keinen Spaß, sondern sogar Schmerzen bereitet.
Bekämpfe deine Beziehungsunsicherheit, Birgt. Egal wie sympathisch dir nun Gisbert ist, du musst ihm sagen, dass Analverkehr etwas ist, das dich abtörnt. So wisst ihr beide woran ihr seid und könnt eine sich eventuell anbahnende Beziehung auf ein solides Fundament stellen. Sollte Gisbert sich aber zurückziehen, weil du seine bevorzugte Art von Sex nicht magst, sei nicht traurig: Liebe bedeutet auch Toleranz. Besitzt der Partner sie nicht, wäre es schwierig für beide geworden.
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Humor

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