Ich koche Marmelade etwas anders. Die Kirschen entsteine ich nicht, sie kommen unbehandelt in den größten Topf. Kein Einmachzucker. Normaler Zucker ist billiger und tut es auch. Ich schütte viel davon hinein. Neun Töpfe voll koche ich. Jeweils nach fünf Minuten ist die Marmelade fertig. Fleißig umrühren, sonst brennt sie an. Die fertige Marmelade gieße ich vorsichtig in die Badewanne. Zu schnell gekippt verursacht sie Spritzer an den weißen Kacheln oberhalb des Badewannenrandes. Ist die eine Marmeladefuhre aus dem Topf in die Wanne gekippt, kommt die nächste Portion dran. Wie gesagt, neun Töpfe voll. Dann ist die Wanne halb gefüllt, und ich bin ziemlich am Schwitzen.
Also steige ich in die Wanne zur Marmelade. Die Kirschmarmelade hat jetzt eine angenehme Temperatur. Zerkochte Kirschen schmeicheln der Haut. Machen Sie weich. Ich dämmere hinüber ins Reich der Träume - und schrecke hoch. Verdammt! Nur noch 45 Minuten bis zum Termin mit Drago. Ich muss mich beeilen und stehe auf, bleibe in der Wanne stehen und lange nach dem kleinen Eimer. Zähflüssig rutscht die Marmelade von meinen Oberschenkeln, tropft vom Busen zurück in die Wanne. Mit dem kleinen Eimer fülle ich die lauwarme Masse in einen zweiten bereitgestellten großen Eimer.
Bei Drago muss es immer ein großer Eimer voll sein. Und ich muss darin gebadet haben. So mag er es, und wir ziehen das seit Jahren durch. Immer am letzten Samstagmorgen im November besuche ich ihn in seinem Verließ, schmiere ihn nach allen Regeln der Kunst mit meiner persönlichen Marmelade ein. Am Abend treffen wir uns dann in der Philharmonie am Gasteig: er wie aus dem Ei gepellt und ich in großer Garderobe.
Ich wackele mit den Brüsten, die letzten Tropfen der roten Flüssigkeit fallen in den Eimer. Nichts von der kostbaren Speise soll vergeudet werden. Einen Moment, ich gebe es zu, spiele ich mit dem Gedanken, mein sämiges Mitbringsel mit Wasser aufzufüllen. Aber nein, das wäre gegen die Berufsehre und Betrug am Kunden. An einem meiner liebsten Kunden ... Er soll die volle Ladung bekommen. Pur und in Ketten, genau so wie er es seit Jahren braucht.
Wo ist der Deckel? Noch im Keller? Egal, auf die Details kommt es nicht an. Diesmal muss es ein Handtuch tun. Es ließe sich sogar in unser Spiel einbauen und würde eine Variation des Rituals ermöglichen. Also säubere ich zuerst Scham, dann Po und Haut mit dem Handtuch und decke sein Leibgericht damit ab. Nun habe ich mich wirklich zu beeilen, um nicht zu spät zum Drago-Date zu kommen.
Konnte er nicht die Heizung herunter regeln? Jedes Mal schlug mir ein Schwall schwüler Luft entgegen: Man ging die Treppen zum Verließ hinunter und zunächst fröstelte es einem, man nahm den schweren Schlüssel vom Haken rechts oberhalb der eisenbeschlagenen Holztür, schloss auf und stemmte die schwere Tür auf - und diese überheizte, abgestandene Luft schlug einem entgegen. Ein karger, fensterloser Raum mit dunklen Wänden, ausgestattet mit zwei Heizkörpern und einem altertümlichen, schmutzigen Herd. Unmittelbar fing man an zu schwitzen. Erst recht, wenn man komplett in Lack gekleidet war - wie ich bei diesen Auftritten.
Drago lag mit dem Rücken auf einer Holzpritsche ohne Matratze. Die Hände waren mit einer Kette an die Balken des Kopfendes gefesselt, die Füße ebenso ans Fußende. Quer über den Bauch lief die schwerste Kette. Straff gespannt endete sie auf beiden Seiten in je einem eisernen Ring. Der Ring wurde von einer Stahlkrampe gehalten, die in den Kellerboden betoniert war. Übertrieben fand ich das jedes Mal wieder. Aber, zugegeben, es sah eindrucksvoll aus. Drago konnte sich nicht bewegen, und ich fragte mich immer, wie er es machte, sich derart zu fesseln? Er brauchte Helfer, aber nie sah ich jemanden, weder oben in dem denkmalgeschützten Haus, noch hier im Verließ.

Die außergewöhnliche erotische Geschichte “Das Kabinett der Ketten” ist als Bonus-Story im dem jetzt erschienenen erotischen E-Book “Der Orgasmus-Fahrstuhl” enthalten. erotische-geschichten.biz darf die Story mit freundlicher Genehmigung des Autorenduos Elektra Flagellante / Ariane Aran sowie des Verlags hier veröffentlichen. In dem E-Book “Der Orgasmus-Fahrstuhl” schildert Elektra Flagellante, wie ein Lokalpolitiker von seiner Geliebten in ein verrücktes Sexspiel verwickelt wird, das ihm ungeahnte Höhepunkte beschert - und ihn bis zum Morgengrauen die Karriere kosten wird, wenn er sich nicht bis dahin aus dem Orgasmus-Fahrstuhl befreien kann. Denn im obersten Stock liegt nach den ausufernden Sexspielen eine schöne Tote, und zu Hause erwacht gleich die Ehefrau. Sie wird beginnen, ihren vermissten Mann zu suchen ... Es ist ein ebenso spannender wie prickelnder Sexroman, den Elektra Flagellante verfasst hat. “Beruht auf einem eigenen Erlebnis”, erklärt Elektra Flagellante gegenüber erotische-geschichten.biz.
Als eBook für EPUB-Reader:
Der Orgasmus-Fahrstuhl
von Elektra Flagellante und Ariane Aran
Als eBook für den Amazon Kindle:
Der Orgasmus-Fahrstuhl
von Elektra Flagellante und Ariane Aran
In den ersten Jahren hatte Drago einen durchtrainierten Körper besessen, dann jedoch magerte er ab. Heute sah er schlecht aus.
“Hallo Drago, ich habe dir etwas besonders Leckeres mitgebracht”, begann ich munter und wuchtete den Eimer auf den Rand der Pritsche.
Er reagierte kaum. Er sah älter aus als vierzig. Das bleiche Gesicht durchzogen Falten, das volle Haar begann, an den Schläfen zu ergrauen. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.
“Es ist kalt hier. Könntest du die Heizung höher drehen, Elektra?”
Einem guten Beobachter mochte auffallen, dass sich seine vollen Lippen beim Sprechen kaum bewegten. Sie passten sich den Worten nicht an, die Sätze schienen den Kopf durch eine Klappe zu verlassen, die sich mechanisch öffnete und schloss. Drago trug eine goldene Rolex, dazu rahmengenähte schwarze Schnürschuhe und sonst nichts. Oberhalb der eisernen Bauchkette entdeckte ich zwei Wunden.
“Ach das ...”, er machte eine wegwerfende Handbewegung, “das ist nichts.”
Die Wundenform kannte ich; sie kam von Kettenschlägen, die unsachgemäß geführt wurden. Ich zog zwei große, wasserdichte Pflaster hervor.
“Woher hast du die?”, fragte er.
“Erfahrung. Ich will nicht, dass sich die Wunden infizieren.”
Ich klebte die Pflaster auf. Unschwer war zu erkennen, dass ihn die nicht ganz schmerzlose Prozedur erregte: Sein Penis, eben noch versteckt in einem Urwald aus Schamhaar, wuchs heran.
“Gesund bist du ja”, lächelte ich und drückte das zweite Pflaster kräftig fest.
“Ahh ...” Einen mordsmäßigen Ständer hatte er nun. Genau die richtige Ausgangslage für den zweiten Akt: den Strip.
Mein Kleid schaute zwar gut aus, aber Lack klebt störrisch auf der Haut, ein eleganter Strip war damit schwierig.
“Vielleicht hättest du die sexy Stoffhose nehmen sollen, die du letztes Mal trugst”, meinte Drago, während ich mich in den Hüften wiegte und den Saum nach oben schob.
Dass er sich daran erinnerte, wie ich mich vor Monaten gekleidet hatte, erstaunte mich. “Lack macht mich an”, erwiderte ich, “da muss man mit den Eigenschaften des Materials leben.”
Er schüttelte den Kopf, so gut es mit den Fesseln ging. “Es kommt auf jedes Detail an, du musst bei deinen Auftritten auf alles achten.”
Was nahm er sich heraus? Kritisierte mein Outfit! Kurzerhand langte ich in den Eimer, ganz nach unten, wo sich die Kerne abgesetzt hatten. Und stopfte ihm die tropfende Masse mit der Hand in den Mund.
“Schön süß, Drago, was!?”
Gurgelnd versuchte er, etwas zu sagen und schluckte dabei einige Kerne.
“Alles schön aufessen, mein Kleiner!”
“Elektra, ich will nicht ...”
Mein Zorn war längst nicht verraucht: Ich zog das Handtuch endgültig vom Eimer. Ausgedehnte Spiele mit dem Tuch hatte ich mir während der Herfahrt überlegt. Stattdessen warf ich das Tuch jetzt in die Ecke und schüttete Drago die gelierende Masse zuerst über den Kopf und dann – als rote Spur – längs über den Körper bis zu seinem Penis.
“Urghh ... uauu ...” Solche Laute gab Drago von sich und schüttelte sich, so weit die Ketten es erlaubten. Eine Gänsehaut auf den Armen bekam er. Logisch, die Marmelade war mittlerweile kalt. Früher hatte ich sie ihm angewärmt, aber mit dem Service war es vorbei. Sein rot getünchter Stab reckte sich vorwitzig in die Höhe. Zumindest der hatte seinen Spaß.
“Gefällt dir das?”
“Absolut süß, Elektra.” Drago leckte die Lippen und kostete.
“Erstick dran, Drago.” Gern hätte ich ihm noch einen zweiten Kübel voll gegeben. Meine Unbeherrschtheit rächte sich, ich hatte bereits alles verschüttet. Fast widerte mich der Kerl an, der hier den Hilflosen markierte auf der Pritsche. Auf welche Ideen Männer kamen, um sich zu erregen.
Oder machte es mich etwa auch an? Schnell wollte ich plötzlich heraus aus diesem überheizten Verließ, vielleicht würde ich meine Freundin im Café noch erreichen; ich schaute auf die Armbanduhr ... Mist, ich hatte heute Morgen in der Eile vergessen, sie anzulegen.
“Drago, wie spät ist es?”
Er hielt mir seine Golduhr hin, über der Aufzugkrone entdeckte ich ein kleines Tattoo: drei ineinander verschränkte Kettenglieder. Hatte Drago das Tattoo schon bei unserem letzten Date besessen? Ich war mir nicht sicher. Kurz nach elf Uhr war es, ich konnte es noch schaffen.
“Du musst besser auf die Details achten, Elektra. Eine Uhr gehört dazu. Bitte trage sie, wenn du mich das nächste Mal besuchst.”
Ein Pedant! Drago nervte mich zunehmend.
“Wir sehen uns heute Abend, Elektra!?”, rief er mir hinterher.
Ich zog die Tür von seinem Verließ zu. Als ich den Schlüssel drehen wollte, meinte ich, ein Schluchzen zu hören. Ich hielt den Atem an. Es kam aus dem Verließ. Ich drückte das Ohr an das Holz. Es war eindeutig Drago, er schluchzte.
“Elektra, o Elektra, bitte, lass mich nicht allein.” Unterbrochen von Schluchzern flüsterte Drago. “Ich bin so allein und er quält mich. Lässt mich hier vermodern, verrecken. Weidet sich an meinem Leid, geilt sich auf. Bitte Elektra ... hol mich hier raus.”
Gegen die Regeln unseres Rituals schob ich die Tür wieder auf, steckte den Kopf hinein in die betäubend warme Luft. “Brauchst du Hilfe, Drago?”
Mit Mühe hob er den Kopf, sah mich entsetzt an: “Elektra, nein ...
“Wie lang liegst du hier eigentlich, Drago?”
“Zehn Jahre.”
Ich lachte kurz. “Ohne Unterbrechung?”
Er blieb ernst: “Es befreit mich keiner, keiner hat Mitleid, keiner glaubt mir.” - Dabei reckte sich sein gieriger Schwanz erneut.
Ich hatte wirklich keine Zeit mehr für seine manipulativen Spiele.
“Wenn er merkt, dass ich es dir verraten habe und sieht, dass du wieder hereinkommst, Elektra ... bitte ... er wird dich ... flieh, Elektra, flieh!”
Ein bisschen Angst machte der Verrückte mir schon. “Aber wer sollte dich gefangen halten und mich bedrohen, Drago, wer?”
“Mein Zwillingsbruder! Bitte, Elektra, geh schnell ... flieh!”
Wir wussten beide, dass er keinen Bruder hatte.
Ich habe geduscht, mir die Haare zu einem modischen Turm frisieren lassen und meine Swatch angelegt. Dazu trage ich eine Robe von Yves Saint Laurent. Das Geschenk eines Verehrers.
Wir sitzen seitlich, in der letzten Reihe des gut gefüllten Großen Saals, gleich neben den Heizungen. Eine knabenhaft schlanke Frau eilt hinter der Reihe mit den Rollstuhlplätzen auf uns zu. Mich hätte Drago zurechtgewiesen, aber ihr sieht er die Unpünktlichkeit nach ... Sie ist jünger als ich, stelle ich fest, und es versetzt mir einen Stich.
“Elektra, darf ich Ihnen meine Lebensgefährtin Doreen vorstellen.” Drago hat sich erhoben und macht uns miteinander bekannt. In Sekundenbruchteilen messen wir uns, wie nur Frauen es können, und wissen voneinander, dass wir keine Freundinnen werden. Aber das ist auch nicht nötig, wir brauchen nur das Konzert überstehen; sie zu seiner Linken, ich auf der rechten Seite.
“Er hätte längst anfangen müssen”, meint Drago und fixiert den Flügel, der verwaist auf der Bühne steht, während das Publikum erwartungsfroh plappert. Unwillig zieht Drago die linke Manschette zurück, um auf die Rolex zu schauen.
Zuerst begreife ich nicht, was mich stört. Ich starre auf sein Ziffernblatt mit der charakteristischen Lupe über dem Datum. Ein Detail ... Zwanzig Uhr ist vorbei ... welches Detail bloß? ... Da erkenne ich es. Das Tattoo über der Krone.
Es fehlt.
Es ist weg.
“Drago?”
Er dreht sich zu mir. Er ist sorgfältig gekämmt und im Gesicht kommt er mir voller und gesünder vor als heute Morgen. Vielleicht liegt es an dem gut sitzenden Anzug vom Schneider, an der feierlichen Fliege, dem weißen Hemd?
“Hast du einen Bruder?”, frage ich.
Er lächelt mich an, wie Drago mich anlächelt, wenn er am Höhepunkt ist. Nur seine Augen lächeln nicht. Sie bleiben kalt, mir fröstelt.
“Elektra, - ich bin sicher, der Maestro kommt gleich, habe noch einen Moment Geduld.”
Während er spricht, zieht er die Manschette über die Uhr. Aber das Tattoo hat gefehlt! Ich weiß es, ich habe es gesehen. Gedanken, Fragen ... keimendes Entsetzen wirbeln mir durch den Kopf.
In dem Moment setzt sich der Maestro an den Bechstein und nickt dem Publikum zu. Der sofort einsetzende furiose Beginn der Paganini Variationen von Brahms reißt meine Gedanken fort.
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